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Besprechung von Gabriele Böttcher
Und darauf folgt gleich eine Mäusejagd, die bis zur letzten Seite geht. Das regt die Kinder an zu dem, was sie ohnehin so gern tun : erstmal ordentlich im Buch herumzublättern. Dabei entdecken sie großflächige Farbstimmungen zu den Jahreszeiten, die die Anordnung der Texte gliedern. Sie finden eine Menge kleiner Zeichnungen, die helfen sollen, das Geschriebene zu verstehen. (Nur die Katze ist missraten ... ob sie trotzdem alle Mäuse kriegen wird ?). Die Kinder bekommen Lust und Mut, gleich mal zu gucken, was da wohl steht, weil die Seiten locker geschrieben sind, mit kurzen Zeilen, verschiedenen Schriftgrößen (sogar Spiegelschrift kommt vor !) und viel Luft zwischen den Zeilen. Schon in der Gestaltung der Seiten erkennt man die erfahrene Praktikerin, die sich in den Lesegelüsten und Lesenöten ihrer Schulkinder auskennt. Die Texte spannen einen Bogen von Schlicht-Volkstümlichen wie dem derb-bäurischen Pif Paf Poltrie bis hin zum kunstvollen lyrischen Gedicht. Auch kleine Erlebnisse kommen vor, von der Herausgeberin in guter Prosa erzählt. Es gibt Zungenbrecher mit ulkigen und schwierigen Lautgebilden, es gibt Rätsel und witzige Wortspiele, und es gibt Kettenreime, bei denen man immer wieder den gleichen Wörtern in immer länger werdendem Refrain begegnet : eine wunderbare Lese- und Verständnisübung. Alle Texte sind auf ihre Art sprachlich anspruchsvoll, kein einziger billig oder platt. In der Fontane-Ballade kommt sogar Plattdeutsch vor ! Man könnte es für zu schwierig halten. Aber die Schönheit des Gedichts rechtfertigt wohl auch seinen hohen Anspruch. Und ungebräuchliche Ausdrücke müssen nicht das Auffassen eines Zusammenhangs stören im Gegenteil : Sie regen zum ganzheitlichen Leseverständnis an ! Jedenfalls hatte die Herausgeberin die pädagogische Einsicht und den Mut, hier und da die Kinder bewusst zu überfordern, ihnen etwas zuzumuten, was sich vielleicht erst einem späteren Verständnis erschließt ; denn Poesie hat oft eine Spur von Geheimnisvollem in sich, das nicht sofort durchschaut werden muss. Beim grimmschen Frieder und Catherlieschen allerdings entsteht für mich die leise Frage, ob die skurrile Komik dieser Geschichte nicht ein zu hohes Maß an sprachlichem Humor von kleinen Lesern fordert, die es ja immerhin mit einer fremden Sprache zu tun haben. Das Lese-Angebot ist bewusst frei und offen gehalten ; die kleinen, feinen Sprachgebilde sind von leichter Hand zusammengestellt und nicht geeignet, durch eine strenge didaktische Systematik eingeengt zu werden. So bleibt die Auswahl und deren Reihenfolge ganz den Lehrern und Kindern überlassen. Mögen sie viel Freude und Gewinn von dem Büchlein haben ! Gabriele Böttcher |